Vereinsgeschichte

Es wird wohl die Erkenntnis gewesen sein, dass Fremdenverkehr oder die Sommerfrische , wie man damals sagte, durchaus dienlich sein könnte, um Verdienstmöglichkeiten in Nordeck zu schaffen und die wirtschaftliche Lage der Dorfbewohner zu verbessern.

So kamen  im Juli 1899 einige führende, vorausschauende und handfeste Männer aus Nordeck in der Gastwirtschaft „Zur Burg Nordeck“ (Stelzenbach) zusammen und gründeten den „Verschönerungsverein Lumdathal“ . Namentlich bekannt sind der Förster Steitz, Lehrer Koch, Gastwirt Stelzenbach und Otto Molineus, der Sohn der damaligen Burgbesitzerin.  In der Generalversammlung am 11. August 1899 wurden die Statuten des Vereins beschlossen, deren § 1 lautete:
“ Zweck des … Vereins ist die Belebung und Förderung touristischer Interessen, dieVeranstaltung gemeinsamer Spaziergänge und Ausflüge, sowie überhaupt die Hebung des Verkehrs in den zum Lumdathal gehörigen Orten. Der Verein sucht mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln seinen Zweck zu erreichen.“

Über die ersten Aktivitäten des jungen Vereins wissen wir nur wenig, da keine Protokolle aus diesen Anfangsjahren vorliegen. Sechs Jahre später, 1905, schloss sich  der Verschönerungsverein als Zweigverein Nordeck dem Oberhessischen Gebirgsverein  an.

Mit Schmunzeln nehmen wir heute zur Kenntnis, dass der Verein ein durchaus elitäres Selbstverständnis hatte. Nicht jeder Einwohner konnte damals ohne weiteres Mitglied im Verschönerungsverein oder dem späteren OHGV -Zweigverein werden.   In den seit 1929 vorliegenden Protokollen geht hervor, dass die Aufnahme von neuen Mitgliedern durch die Mitgliederversammlung beschlossen wird, – zeitweise sogar in geheimer Abstimmung. Selbstredend konnten nur Männer Mitglied werden.
In der Mitgliederversammlung vom 30. Mai 1930 wurde dann aber beschlossen, dass dem Verein auch eine Damengruppe angeschlossen werden sollte. Deren Mitglieder hatten allerdings kein Stimmrecht. Von den besonderen Aktivitäten dieser Damenabteilung ist leider nichts überliefert.

Wie man berichtete, wurde das Vereinsleben durch gemeinschaftliche Wanderungen und Ausflüge gestaltet, die sich wegen der damaligen sehr begrenzten Möglichkeiten des Verkehrswesens meist in der näheren Umgebung bewegten. Daneben verlor man nicht die ursprüngliche Zielsetzung aus dem Auge und bemühte sich auch weiterhin  um die Verschönerung des Dorfes und seiner Umgebung. Eine besondere Aufgabe sah man im Aufstellen von Ruhebänken an besonders schönen und aussichtsreichen Plätzen in der Gemarkung.

Unter der Regie des ersten Vereinsvorsitzen, dem Förster Wilhelm Steitz, der durchgehend bis zum 2. Weltkrieg dem Verein bis ins hohe Alter 40 Jahre vorstand, wurde im Jahre 1929 die neue Schutzhütte auf der „Hohen Eiche“ erbaut.  Wie Helma Arnold in ihrem Heimatbuch „Leben in Nordeck – Vergangenheit und Gegenwart“ berichtet, befand sich am Eingang der Schutzhütte folgender Spruch: „Schutz biete ich euch, Armen wie Reichen, schützt ihr mich nur vor Bubenstreichen.“                                                                                       Laut einem Pressebericht wurde die Schutzhütte am 7. Juni 1931 mit einem gelungenen Waldfest offiziell eingeweiht.
Am 15. Dezember 1935 feierte der Verein im Rahmen einer geschlossenen Gesellschaft seine 30- jährige Zugehörigkeit zum OHGV-Hauptverein.

Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass in der Zeit der Naziherrschaft auch das politische Geschehen sich in das Vereinsleben auswirkte: so findet man in der Sitzungsniederschrift vom 30. Juni 1933 unter dem Tagesordnungspunkt „Gleichschaltung“ protokolliert, dass „der Vorstand sich auf dem Boden der nationalen Regierung befindet.“  Das letzte Protokoll der Vorstandssitzung aus dieser Zeit stammt vom 15. März 1936, später wird  dann vermerkt, dass in den Jahren 1946  bis 1953 die Vereinstätigkeit ruhte, da die Besatzungsmacht einige Schwierigkeiten bei der Besetzung des Vorstandes machte.

Erst 1953 gelang es Eberhard Stelzenbach, die Mitbürger zu einer Neugründung des Vereins einzuberufen. 39 Personen nahmen an dieser ersten Versammlung nach dem Kriegsende teil. Sie wählten Herrn E. Stelzenbach zum 1. Vorsitzenden.

Als eine der ersten Aufgaben nahm sich der zum Leben neu erweckte Verein die Erneuerung der Teufelsbrücke vor, deren Wartung und Instandhaltung in den Kriegs- und Nachkriegsjahren verständlicherweise vernachlässigt worden war. So konnte die erneuerte Brücke über den Weingraben auf dem Weg zur „Hohen Eiche“ bereits 1955 wieder eingeweiht werden.

Ein lang gehegter Wunsch des Vereins, eine eigene Unterkunft, ein eigenes Vereinsheim zu besitzen, wurde in den Jahren 1978/79 unter dem Vorsitzenden Gotthard Debelius verwirklicht. In vielen von Mitgliedern geleisteten Arbeitsstunden  entstand das schmucke Wanderheim des OHGV Nordeck „Am Braunen Stein“, heute: Am Steinbruch.
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurde 1986 mit Marianne Hilbert eine Frau zur Vereinsvorsitzenden gewählt. In ihre Amtszeit fällt die Erneuerung der Teufelsbrücke im Jahre 1987. Der Brückenübergang musste gesperrt werden, da die 1955 verbauten Hölzer im Laufe der Jahre ihre Tragfähigkeit eingebüßt hatten. Beim Gießen der Fundamente für die neue Brücke wurde der Verein durch Soldaten einer Marburger Einheit unterstützt, mit denen die Allendorfer Feuerwehr damals eine Partnerschaft pflegte.
Unter Walter Turba – Vorsitzender von 1988 bis 1999 – wurde das Vereinsheim und das Vereinsgelände umgestaltet.

Im Jahre 2000 feierte der OHGV Nordeck mit einjähriger Verspätung das 100jährige Jubiläum seines Bestehens.

Großen Einsatz erforderte 2008 der Wiederaufbau der Teufelsbrücke, die durch den  Orkan „Kyrill“ und umstürzende Bäume so beschädigt wurde, dass nur ein kompletter Neuaufbau in Frage kam. Durch bereitwillige Spenden der Bevölkerung und mit der tatkräftigen Mithilfe der anderen Ortsvereine und der Gemeinde konnte diese Aufgabe bewältigt und das Bauwerk über den Weingraben am 13. September 2008 wieder eingeweiht werden.

Am 13.Juni 2010 feierte der Zweigverein OHGV Nordeck sein 111jähriges Bestehen und war an diesem und dem folgenden Tag auch Gastgeber für die 115 . Jahreshauptversammlung des Hauptvereins.
Seit 2006 hat auch die digitale Informationstechnik im Verein Einzug gehalten. Bei der Einrichtung und Gestaltung der Homepage des OHGV Nordeck hat sich der damalige Vorsitzende Karl Heinrich Imig besondere Verdienste erworben.

Seit der Gründung standen dem Verein folgende Persönlichkeiten als Vorsitzende vor:

Wilhelm Steitz                         1899 – 1939

Eberhard Stelzenbach            1953 – 1964

Fritz Krug                                 1964 – 1976

Gotthard Debelius                  1976 – 1984

Eberhard Kaus                         1984 – 1986

Marianne Hilbert                    1986 – 1988

Walter Turba                           1988 – 1999

Karl Heinrich Imig                  1999 – 2011

Seit 2011 wird der OHGV Nordeck von Wilhelm Schäfer geführt.